Die Rolle des Persönlichen RepräsentantenWenn jemand in Florida zum Persönlichen Repräsentanten (Personal Representative) ernannt wird, ist dies kein bloßer Ehrentitel, sondern eine Position mit erheblicher rechtlicher Verantwortung. Ausgestattet mit den vom Gericht ausgestellten Bestallungsurkunden (Letters of Administration), wird diese Person zum „Gesicht“ des Nachlasses und ist befugt, im Namen des Verstorbenen zu handeln. Doch was genau tut ein Repräsentant und welche Fallstricke gilt es zu vermeiden?
Wer kann in Florida Persönlicher Repräsentant werden?
Nach dem Recht von Florida muss ein Repräsentant mindestens 18 Jahre alt sein und darf nicht wegen eines Verbrechens (felony) vorbestraft sein. Eine entscheidende Regel: Wenn jemand kein Einwohner von Florida ist, darf er nur dann als Repräsentant fungieren, wenn er ein naher Verwandter des Verstorbenen ist (z. B. Ehepartner, Kind, Elternteil oder Geschwister). Die Gerichte im Broward County prüfen diese Kriterien streng, bevor sie die Ernennung vornehmen.
Kernaufgaben und Verpflichtungen
Die Rolle des Persönlichen RepräsentantenDie Aufgabe des Repräsentanten ist es, den Nachlass zu „sammeln, zu bewahren und zu verteilen“. In der Praxis bedeutet dies:
- Sicherung der Vermögenswerte: Das Eigentum des Verstorbenen muss geschützt werden. Dies kann den Austausch von Schlössern an Immobilien, die Zahlung von Versicherungsprämien oder die Sicherung beweglicher Güter umfassen.
- Gläubigermanagement: Der Repräsentant ist verpflichtet, eine formelle Bekanntmachung in einer lokalen Zeitung zu veröffentlichen und bekannte Gläubiger direkt zu informieren.
- Steuerliche Pflichten: Er ist verantwortlich für die letzte Einkommensteuererklärung des Verstorbenen und die Verwaltung der steuerlichen Angelegenheiten des Nachlasses (einschließlich der Beantragung einer EIN-Nummer).
- Schlussrechnung (Accounting): Am Ende des Verfahrens muss ein detaillierter Bericht für die Erben und das Gericht erstellt werden, der jeden Cent belegt, der während des Verfahrens verwaltet wurde.
Die größte Falle: Die Treuepflicht (Fiduciary Duty)
Die Rolle des Persönlichen Repräsentanten Der Persönliche Repräsentant unterliegt einer sogenannten Treuepflicht. Das bedeutet, dass er die Interessen der Erben und Gläubiger stets über seine eigenen stellen muss.
Folgende Handlungen sind streng untersagt:
- Unbefugte Abhebungen: Viele glauben, sie könnten als Repräsentant frei über die Bankkarten des Verstorbenen verfügen. Dies kann als schwere Straftat gewertet werden.
- Verkauf unter Marktwert: Wenn ein Repräsentant Immobilien unter dem Marktpreis an Freunde verkauft, können die Erben ihn auf Schadensersatz verklagen.
- Vermischung von Geldern: Nachlassgelder dürfen niemals auf einem privaten Konto geführt werden. Hierfür muss ein separates Nachlasskonto eröffnet werden.
Wird der Persönliche Repräsentant bezahlt?
Die Rolle des Persönlichen Repräsentanten. Ja, das Gesetz von Florida erkennt die Arbeit des Repräsentanten an. In der Regel steht ihm eine Vergütung in Höhe eines Prozentsatzes des Nachlasswertes zu (oft 3 %), wobei er auf dieses Honorar verzichten kann, beispielsweise bei Familienmitgliedern.
Die Tätigkeit als Repräsentant ist anspruchsvoll, besonders wenn die Erben im Ausland leben. Aus diesem Grund verlangen die meisten Gerichte in Florida die Unterstützung durch einen spezialisierten Anwalt (probate attorney), um sicherzustellen, dass keine Fehler begangen werden, für die der Repräsentant persönlich haftbar gemacht werden könnte.


